Eigentlich hätte es ein sonnig- lockerer Sommerrückblick werden sollen, aber dann geschah die Tragödie in Duisburg -
Angesichts der zahllosen Unberufenen und Unbefugten, die sich dazu geäußert haben, bin ich mir bewusst, dass jedes Wort – zu viel oder zu wenig – falsch aufgefasst werden kann; aber wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
Es geht nicht um eine Analyse der Ursachen, eine Rekonstruktion der Abläufe, um die Fragen also, wie hatte das so kommen und wie hätte es verhindert werden können? War es schon die Entscheidung, die Veranstaltung überhaupt durchzuführen, an diesem Ort, zu dieser Zeit, mit diesen Maßnahmen - eine ordnungsgemäße, auflagenkonforme, sichere, heiße, kultige, wummernde, geile Rave-Party, die Love Parade eben?
Alle Berichte folgen der Logik, nach der die Katastrophe sich zwangsläufig entwickelt hat. Im Nachhinein scheint die Verkettung von Ursachen und Wirkungen allerdings immer plausibel, hat es immer schon Bedenken und Einwände gegeben; wo aber waren die sicherheits-relevanten Entscheidungen? Es heißt, Veranstalter, städtische Behörden, Polizei, Security hätten bei mehreren Treffen die notwendigen Maßnahmen besprochen. Waren es Profis oder Dilettanten, die – wie die Medien es jetzt sehen – nur in einem verantwortungslosen Rahmen von Profilierungssucht und Profitgier agierten? Sind nicht 100.000 Menschen ohne große(?) Schwierigkeiten auf das Gelände gelangt, haben gefeiert, getanzt, gelacht wie es für alle hätte sein sollen? Warum brach gerade an dieser Stelle, in diesem Moment, in dieser Situation die Panik aus? Hätte es auch woanders passieren können, vielleicht glimpflicher, vielleicht noch furchtbarer?
Niemand rechnet bei Veranstaltungen, dass sie ohne Probleme verlaufen, und es muss alles getan oder unterlassen werden, um sie zu verhindern, aber auszuschließen sind sie nicht, sonst gäbe es nicht vorsorglich die Präsenz von Polizei, Feuerwehr, Sanitätern und Security.
Sicherheit gerade bei Massenveranstaltungen ist doch nicht neu, unsere Versammlungsstättenverordungen regeln sie bis ins Detail; in Amerika wird sie von den Verbänden der Veranstalter und Locations schon lange als Crowd Management propagiert und Google liefert rund 8,5 Millionen Hits auf das Stichwort, darunter Seiten wie www.safeconcerts.com mit sogar einem „Festival Survival Guide“ für Besucher.
„Die amtlich genehmigte Katastrophe“ hat der SPIEGEL die Vorgänge bezeichnet, die Folgen werden unsere Zukunft bestimmen. Da niemand sich dem Vorwurf aussetzen will, Risiken nicht erkannt und Gegenmaßnahmen nicht getroffen zu haben, werden Vorschriften noch schärfer ausgelegt, Genehmigungen noch mehr eingeschränkt, Auflagen noch ausnahmsloser erteilt.
Wir müssen uns darüber klar sein, dass unsere Veranstaltungswelt nie mehr so sein wird wie bisher. Duisburg hat gezeigt, wie sehr wir auf äußerste Sorgfalt und Sicherheit achten müssen für die Menschen, die im Vertrauen auf unsere Professionalität zu uns kommen. Denn auch wir bewegen uns ständig zwischen Risiko und Verantwortung, nur, wo ist die Grenze für die richtige, die sichere Entscheidung? Sie zu erkennen, darauf wird es ankommen, mehr denn je.
gaida@gaidaconsult.de
Aufgeschnappt
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