Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V.

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21.03.2010 | 04:28 Uhr | Sie befinden sich hier: Aktuelles | Aufgeschnappt

Aufgeschnappt

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Gaidas Gast-Kommentar: Meisenknödel-Marketing

Schnee, Eis, Kälte, tiefer Winter landauf, landab – wer wünschte sich nicht die Erderwärmung zurück, wenigstens ein kleines bisschen? Da sind die Kollegen um Þórunn Sigurðardóttir viel wettergestählter. Sie kennen Þórunn Sigurðardóttir nicht? Er ist der Chef von Harpa, dem neuen National Concert and Conference Centre in Reykjavik, richtig, da oben im Norden, fast am Polarkreis, auf Island (www.harpa.is). Eröffnung Frühjahr 2011. Nutzfläche 28.000qm, 1.800 Plätze im größten Saal, mit 60 Konzerten des nationalen Symphonie-Orchesters (www.sinfonia.is) im Jahr schon mal grundausgelastet, großzügige Foyerflächen für kongressbegleitende Ausstellungen, eine Tiefgarage für 1.600 Fahrzeuge, daneben ein attraktiver Büro- und Geschäftskomplex, ein städtischer Betriebskostenzuschuß für die nächsten 35 Jahre Vertragslaufzeit, immerhin.

In unseren bewegten Zeiten sind es aber auch ganz schlichte Dinge, aus denen wir praktische Nutzanwendungen ziehen können, zum Beispiel Meisenknödel. Passend zu Schnee, Eis, Kälte, also Winter? Weit gefehlt, ein Ganzjahresartikel inzwischen, dank Klimawandel – und perfektem Marketing.

Etwa 15 bis 20 Millionen Euro geben die Deutschen für die fettigen Kugeln, mit abgestimmten Vitaminen und Nährstoffen, versteht sich – „ein kerniger Futterspaß“ (O-Ton) -, aus, vorzugsweise in der kalten Jahreszeit. Bisher, nur, wann war sie in der Vergangenheit so richtig kalt wie diesmal, der Absatz also völlig unplanbar von Winter zu Winter zwischen 3 und 6 Millionen Knödeln allein bei einem Anbieter schwankte? Also bringt die hoch-innovative Branche jetzt auch leckere Sommer-Knödel auf den Markt (www.erdtmann.com). Ein Flop? Mitnichten, die Vögel stürzen sich auf sie, nein, nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil es infolge der modernen, chemischen Methoden in der Landwirtschaft immer weniger natürliches Futter für die putzigen Körner- und Weichfresser gibt (FAZ v. 23.01.2010). Und schon werden auch neue Verbraucherpotentiale erschlossen, etwa Eichhörnchen, mit eigens entwickelten „Leckerbissen“, ein knabberknackiger Mix aus Nüssen und Rosinen.

Und man kann damit auch gewaltige Veränderungen im Markt bewirken. In England etwa, wo die Tierfreunde schon seit einiger Zeit ganzjährig ihre Knödel und Futterketten aushängen, sind die ersten Vogelarten so zutraulich geworden, dass sie im Herbst gar nicht mehr gen Süden aufbrechen, sondern einfach im klimawandelerwärmten und futtergesicherten Königreich bleiben und dadurch wiederum die Nachfrage nach den Winterknödeln anheizen. Ornithologen mutmaßen sogar eine völlig neue Vogelevolution, ein Dinoschicksal für Zugvögel, sozusagen.
Wenn wir das intensiv durchdenken, stehen wir vor einem totalen Paradigmenwechsel in unserem Hallenmarketing! Bisher haben wir bei unseren Aktivitäten im Markt doch unsere Kunden ständig im Auge gehabt, ihre Vorlieben, ihre Abneigungen erforscht. Mit beeindruckenden Services oder pfiffigen add-ons waren wir bemüht, ihre Zuneigung zu gewinnen, sie an uns zu binden. Schön, manches ist uns mit der ständigen zielgruppensegmentierten Kundenzufriedenheitserfüllung ja auch geglückt. Aber dieses Anpassen-an-den-Markt-Marketing hat keine Zukunft. Wir müssen den Vorgang umdrehen und den Markt an uns anpassen, eine Evolution anstoßen! Dann schaffen wir uns völlig veränderte Kunden, die gerne bei uns bleiben, und wir haben immer volle Hallen, das ganze Jahr über.    

gaida@gaidaconsult.de