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21.05.2012 | 21:04 Uhr | Sie befinden sich hier: Aktuelles | Aufgeschnappt | Artikel: Gaidas Gast-Kommentar: Der Mascara-Effekt

Gaidas Gast-Kommentar: Der Mascara-Effekt

Zum Ende eines aufregenden Jahres zwischen Hoffen und Bangen reden wir doch mal über etwas Positives, denn es ist ja nicht so, dass es allen schlecht erginge. So meldet zum Beispiel der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW), seine Märkte seien in und trotz der Krise mit 16,9 Milliarden Euro Umsatz erstaunlich stabil geblieben. Dabei sei man auch ungeahnten konjunkturstabilisierenden Kausalketten auf die Spur gekommen (FAZ, 03.12.09).  

Also, die Verbraucher, die weniger ausgingen, um bei einem Gastwirt zu speisen, kochten halt zu Hause, eben, nur abgewaschen und gespült werden müsse auf jeden Fall, egal wo, aber mit den einschlägigen Mitteln. Wohl klagten die Friseure über einen Mangel an Kunden, doch nur, weil viele selber Hand anlegten, denn der Verbrauch von Shampoos für den Hausgebrauch habe schaumig zugenommen. Oder wer sich die Fernreise sparte, steige halt öfter in die eigene Badewanne, seismografisch erfasst von der steigenden Umsatzkurve der Körperpflegemittel.

Na, und dann erst: den Krisenvogel abgeschossen sozusagen hat die Sparte Autopflegemittel! Ist doch klar, wer poliert schon gern seine abwrackverdächtige Rostlaube, aber 2.500.000 funkelnagelneublitzende handliche Prämien-Modelle wollen auf Hochglanz gehalten werden, damit jeder sieht wie schick die Neuerwerbung ist. 250 Millionen Politur-Euro wird die Autonation in diesem Jahr  dafür ausgeben. Wer hätte gedacht, dass diese mancherorts (außer in Rüsselsheim)  vielgeschmähte Krisenbewältigungsinitiative unserer fürsorglichen Bundesregierung so glänzende Nebenwirkungen hat?

Vor allem aber habe sich der sogenannte Mascara-Effekt unzweideutig gezeigt, nämlich – ja doch, wirklich, durch Umfragen und Statistiken belegt – dass Frauen in Krisenzeiten häufiger als sonst ihre Attraktivität mit Lippenstift und Mascara nachbesserten, oder um es diplomatischer auszudrücken, „Der Konsument will in dieser Krise wenigstens gut aussehen“ (O-Ton: L’Oreal-Deutschlandchef Rolf Sigmund).

Und außerdem wollen die Leute es sich auch noch gut gehen lassen und ihren Spaß haben, bestätigen unsere „Fachkollegen“ vom Deutschen Schaustellerverband, der bis zum Jahresende mit mehr als 50 Millionen Besuchern auf den Volksfesten und Weihnachtsmärkten rechnet.

Wenn wir bei solchen herzerwärmenden Botschaften in Betracht ziehen, wie viele unserer EVVC-Häuser landauf landab in diesen schweren Zeiten Renovierungs-, Modernisierungs-, Erweiterungs- und gar Neubauprojekte anstoßen, also den Mascara-Effekt übertragen, und wenn sie auch noch mit attraktiven Programmen ihrem Publikum Spaß bieten, dann kann uns das für die Zukunft nur mit Zuversicht erfüllen.

gaida@gaidaconsult.de