Blicken wir doch auch mal zuversichtlich in die Zukunft, so, wie es Tausende auf der Leitmesse CeBIT in Hannover kürzlich taten. Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung, darin sind sich (fast) alle einig, und, Computer und Informationstechnologie werden uns noch grundlegend verändern.
Aber wie? Früher oder später wird der Computer, die Hardware also, verschwinden, zumindest in den nicht mehr wahrnehmbaren (wozu auch?) Hintergrund gedrängt. Maus und Tastatur sind passé, selbst touch-screen und iPad sind out, denn es wird alles durch Ihre Stimme gesteuert, wenn nicht die Geräte sich selbst und untereinander (M2M) die richtigen Befehle geben. Die gesamte betriebliche und private Rechnerkapazität wird ins Cloud Computing verlagert. Und die sogenannte und allseits beklagte Wissensexplosion – was nützt mir Google, wenn ich auf ein Suchwort 1.999.999 Hits bekomme, von denen ich nur 1 brauche? - wird durch das semantic web (3.0) exakt auf die einzig richtige Information eingegrenzt.
Auffallend, wie oft als Vision bei den einen, nur als nächstes Etappenziel bei den anderen, das Jahr 2020 ins Auge gefasst wird. Vielleicht, weil dann der Computer gut 60 Jahre bei uns in Diensten steht und reif für die Altersteilzeit ist. Da heißt es, mental Schritt zu halten. Aber die Mehrheit unserer Landsleute, also Besucher unserer Hallen und Eventzentren, ist noch nicht in der digitalen Gesellschaft angekommen. Erst ein Viertel spielt da schon richtig mit. Sie können sich selbst einschätzen, ob Sie zu den Trendnutzern (11%), Profis (12%) oder gar zur digitalen Avantgarde (3%) zählen (www.initiatived21.de).
Wir sind also noch mitten im Übergang. Nur drei Beispiele, wobei allein die Zahlen die Unüberschaubarkeit ahnen lassen. Der Verbrauch von Briefumschlägen, dem Medium klassischer Informationsübermittlung, ist nach Angaben des Herstellverbandes in den letzen 10 Jahren um 5 Milliarden auf 17 Milliarden pro Jahr zurückgegangen. Die Digitale Bibliothek (www.versand-as.de) bietet 2.900 Werke der Weltliteratur – ungekürzt - von fast 700 Autoren zum Lesen auf dem Laptop, Mobiltelefon und natürlich auch schon auf den gängigsten eBook-Readern an. Wenn ich einen Roman in nur 10 Tagen lese (ein YouTube-Video kostet mich 3.5 Minuten), brauche ich 80 Jahre (!), um alles gelesen zu haben. Und wir wissen, die Weltliteratur ist noch viel umfangreicher. Als kürzlich unser neuer Stern am Songcontesthimmel, Lena, aufging (Sie halten doch schon einen Termin für die anschließende Hallentournee frei?), wurden bei YouTube in nur 24 Stunden 225.000 Videos abgerufen und auf Facebook hat sie schon über 40.000 Fans gewonnen.
Aber es geht auch (noch) anders, sogar in China, wo man fast alle unsere Computer und IT-Geräte produziert. Sie werden Zhang Mengqian vermutlich nicht kennen, eine Studentin der Elektrotechnik an der Universität Chengdu in der Provinz Sichuan. Jung, hübsch, einsam, aber clever, denn sie heftete einen Zettel ans Schwarze Uni-Brett: wer von den männlichen Kommilitonen meine, ihr Romeo werden zu können, solle am Tag X mittags sich unter ihrem Wohnheimzimmerfenster einfinden und ihren Namen rufen. Bei Gefallen würde sie nicht ihr Haar herablassen, sondern gleich selber hinunter kommen. Na, und? Sie werden es nicht glauben, über 2.000 hoffnungsfrohe Kandidaten haben sich eingefunden (FAZ v. 17.03.10). Keine social media, Facebook, YouTube, Blog, Flickr oder Twitter, keine SMS – einfach ein Stück Papier, unschlagbar auch in Zukunft: romantic media.
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