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21.05.2012 | 21:13 Uhr | Sie befinden sich hier: Aktuelles | Aufgeschnappt | Artikel: Gaidas Gast-Kommentar: Die Bahn, Toyota und wir.

Gaidas Gast-Kommentar: Die Bahn, Toyota und wir.

Nicht Klima-Wandel, sondern Klima-Anlage war der Hype dieses hochsommerlichen Sommeranfangs. Erinnern wir uns jetzt, in den verregneten Wochen, noch daran, oder, dass z.B. in Hannover der mit 32,2°  bisher  heißeste Juli-Tag schon vor 46 Jahren (1964) die Menschen ins Schwitzen brachte?

Seit erst knapp 20 Jahren eilen die schnittigen, aber mit Achs- und nun auch Klimatisierungsproblemen belasteten, ICE-Züge durch die deutschen Lande und haben immerhin über 550 Millionen Fahrgäste befördert (das muss auch einmal gesagt werden!) (http://de.wikipedia.org/wiki/Intercity-Express) Aber die Bahn hätte von Anfang an wissen müssen, dass die auf nur 32° Außentemperatur ausgelegte Kapazität der Klimaanlagen in den Zügen, dem Klimawandel nicht Stand halten wird. Denn es kam schlimmer, allein zwischen 2006 und 2009 stieg das Thermometer nach Messungen des Deutschen Wetterdienstes an sieben Tagen auf über 37°!

Das konnte nicht gut gehen, die Technik versagte ihren Dienst. In diesem Sommer haben wir geradezu atemlos in Politik und Medien die Dramen verfolgen können, die sich in den Zügen abgespielt haben. Und täglich kamen neue Schreckensmeldungen über den klimatisierten „Bahn-krott“ hinzu, wie eine Zeitung titelte. Bahnchef Grube musste sich trotz der Hitze wie ein Kreisel drehen, um überall die eingeforderten Erklärungen zu wieso? und warum? abzugeben, und mit der Aussicht auf ein Schmerzensgeld die erhitzten Gemüter „abkühlen“.
( http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wenn-das-klima-defekt-ist/1887710.html )

Das musste wenige Monate zuvor der Chef vom weltgrößten (!) – auf diese Weise erfuhren unsere VW-verwöhnten Landsleute die harte Wahrheit – Automobilkonzern, Toyota, mit japanischer Demut auch tun, hatte doch eine Meldung aus den USA die Autofahrerwelt in geeinter Empörung aufgeschreckt: der Gashebel ließ sich bei einigen Modellen dieser Marke nicht bremsen, oder so ähnlich; schreckliche Unfälle seien daraufhin passiert. Seitdem wurden über 8 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen, in Einzelteile zerlegt, verwirrte Wagenlenker beruhigt, besänftigende um Verständnis werbende Anzeigen geschaltet. Wen interessieret da noch die jüngste Nachricht, die zuständige Washingtoner Behörde schlösse nach intensiven Investigationen die Vermutung nicht aus, nicht ein technischer Mangel sei Ursache für die Auffahrunfälle gewesen, sondern eine schlichte Verwechslung der beiden Pedale durch die Fahrer?

Ja, und was hat das mit uns zu tun? Ganz einfach, beide Fälle zeigen, es kann jeden treffen: ein Problem, eine Panne, ein Ungemach, eine allgemeine Betroffenheit, und prompt ein medialer Sturm der Entrüstung und Beschuldigung. Das kann uns nicht inaktiv lassen. Wer hat in seinem Zentrum noch keine Klimaanlage? Und wenn ja, wo sind ihre Belastungs-grenzen? Können wir es uns leisten, darauf zu verweisen, sie sei vor Jahren eingebaut worden, als noch niemand so richtig an den Klimawandel dachte? Deshalb, auf, zu den Stadtvätern, und auf eine unverzügliche Mittelbereitstellung für die dringend notwendigen Nachbesserungen unserer Haustechnik drängen. Die Bahn hat angekündigt, dass sie für ihre neuen Züge Klimaanlagen verlangen wird, die bis 45° Hitze draußen einwandfrei funktionieren, „und bei 40 Grad Kälte“, wie der Verkehrsminister drohend nachhakte. Das sind die Maßstäbe, nach denen wir uns richten müssen.

gaida@gaidaconsult.de