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21.05.2012 | 21:21 Uhr | Sie befinden sich hier: Aktuelles | Aufgeschnappt | Artikel: Gaidas Gast-Kommentar: Oktoberfestglobalisierung

Gaidas Gast-Kommentar: Oktoberfestglobalisierung

Dieser Beitrag ist allen Kolleginnen und Kollegen mit Respekt gewidmet, die außerhalb der Bayernmetropole in ihren Hallen ein original weiß-blaues „eins, zwei, drei….! Oktoberfest“, entweder groß oder artig, und manchmal vielleicht auch beides zusammen, veranstalten.

Mitten in der Millionenstadt Shanghai gibt es einen chinesischen Kollegen, der mit strahlendem Gesicht heuer sein 12. Oktoberfest ausrichtet. Er stellt ein großes Losberger-Zelt auf die Straße, fliegt (seit Anfang an dieselben) Musiker ein, verteilt etwas oktoberfestähnliche Stimmungsdekoration, bietet Würstel, Sauerkraut und Bier - in Mengen – auf, und das Zelt ist 10 Tage lang jeden Abend bummsvoll, auf 100 Chinesen kommen 2 Langnasen. Und natürlich bleibt ein wiederholtes „prosit der Gemütlichkeit!“ und animierendes „yi, er, san – gan bei!“ (man braucht keine Sprachkenntnisse, um das Glas zu leeren) nicht aus.

Die Musiker spielen „Country roads take me home…. West Virginia” und kurz danach “I will ham nach Fürstenfeld!” Das sind von hier aus gesehen mal eben 14.000 km in die eine und gut 9.000 km in die andere Richtung. Und dennoch fühlen sich alle, man sieht es den Gesichtern an, überall heimisch.

Oiso, eine alpenländische Kapelle in Krachledernen spielt deutsche Lieder und amerikanische Songs und zweitausend Chinesen auf den Bänken, Durchschnittsalter unter 30, singen und tanzen begeistert mit. Das geht vielleicht nicht in den Kopf, aber in den Bauch, und Psychologen wissen, dass es durchaus nachhaltiger sein kann.

Ist das das Deutschlandbild, das andere von uns haben sollen? Aber kommen wir denn bei unserem Bild von China über die Große Mauer und Stäbchen beim Essen hinaus? Schön, Goethe Institute und DZT rackern sich da ab, mit Sprachkursen, hochrangigen Kultur-Events und viel buntbedrucktem Papier und schönen Bildern von Neuschwanstein, Brandenburger Tor und so. Umgekehrt gibt es sieben Mal ein Konfuzius-Institut in Deutschland; nun ja, die Chinesisch-Kurse sind nicht gerade überfüllt.

Stellen Sie sich vor, eine Musikgruppe aus China spielt bei Ihnen vier Stunden lang – chinesisch-amerikanische Musik, versteht sich – auf, und Ihr Publikum ist aus dem Häuschen? Wer ist da das interkulturelle Entwicklungsland?

Zum Schluss spielt die Band Glenn Miller „In the mood“ und alle Augen leuchten – auch das ist Globalisierung.

gaida@gaidaconsult.de