Bereits zum fünften Mal nutzten Vertreter der Kommunalpolitik und der Veranstaltungsbranche am 07. und 08. Februar 2011 die alle zwei Jahre stattfindende DIfU-Tagung in Berlin als Plattform für den gegenseitigen Gedankenaustausch. Vorträge, Podiumsdiskussionen und Praxisforen mit Fachbeiträgen von kommunaler und veranstaltungsbezogener Seite gaben einen breit gefächerten Überblick über die aktuellen Themen.
Für Joachim König, Präsident EVVC und Direktor Hannover Congress Centrum stellte sich die Frage, wie Städte und Gemeinden mit den stetig wachsenden Überkapazitäten an Veranstaltungshäusern umgehen wollen. „Das Kirchturmdenken spricht gegen jegliche Logik und Vernunft“, so König. „Jede Kommune baut ihre eigene Location ohne Blick auf das Umfeld zu nehmen. So entstehen immer mehr Ballsäle, Sportarenen und Mehrzweckhallen. Doch jede neue Halle ist ein Teilnehmer am Markt und sorgt für weiteren Preisverfall. Schon seit einiger Zeit steht der Discount im Vordergrund, ohne Berücksichtigung interner Kostenstrukturen und Marktverhältnissen.“
Auch für Professor Dr.-Ing. Klaus J. Beckmann, Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik (DIfU) sind Veranstaltungshallen ein wichtiger harter, gleichzeitig aber auch bedeutender weicher Standortfaktor der Kommunen. Sie prägen das Image vieler Städte durch ihre Angebote mit. Ein professionelles Management der Hallen sei jedoch unerlässlich, um wirtschaftliche Tragfähigkeit zu erlangen. Beckmann betonte, dass alle Akteure aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft mitspielen und an einem Strang ziehen müssen.
Ein positives Beispiel optimaler Zusammenarbeit in Nürnberg präsentierten Dr. Roland Fleck, Stadtrat und Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, und Friedhelm Lenz, Leiter des CCN CongressCenter Nürnberg. Hier wird seit 2003 das Kongresswesen gemeinsam durch die Kongress-Initiative beworben, die aus den Partnern NürnbergMesse, Stadt Nürnberg, Airport, Verkehrsverbund Großraum Nürnberg, Congress und Tourismus Zentrale Nürnberg und den Nürnberger Tagungshotels besteht. „80 Prozent unseres Erfolges liegen bei den handelnden Personen und ihren Netzwerken,“ so Fleck.
Jens Lattmann, Beigeordneter für Umwelt und Wirtschaft, Deutscher Städtetag Berlin, sieht die Problematik in der Finanzlage der Städte, die seit Bestehen der Bundesrepublik noch nie so schlecht gewesen sei wie jetzt. „Hallen sind defizitär, aber unverzichtbar“, so Lattmann und seien aus dem Portfolio des Standortmarketing nicht weg zu denken.
Für Oliver Duderstädt, Leiter Beratung und Projektentwicklung bei Gegenbauer Location Management & Services GmbH, Berlin ist auch aus privater Sicht klar, dass Veranstaltungshäuser über ihren Lebenszyklus keine Profitcenter sind. Dies sei schlicht nicht möglich. Doch gelte es, den Betrieb bei größtmöglichem gesellschaftlichem Nutzen betriebswirtschaftlich zu optimieren. „Die bedarfsorientierte Konzeptentwicklung ist der Schlüssel zum Erfolg“, so Duderstädt. „Die umfassende Bedarfsermittlung und deren Überführung in ein Nutzungskonzept sowie dessen Umsetzung sind entscheidend.“
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