Weltverband APWPT fordert langfristige Planungssicherheit für Drahtlosanwender

05.09.2016 - Interview mit APWPT-Präsident Matthias Fehr

Wie störungsfrei können die Kulturschaffenden in Bezug auf die Drahtlostechnik in diesem Jahr arbeiten?

Fehr: Nach der Versteigerung der 700 MHz-Rundfunkfrequenzen ist der Mobilfunk sehr wahrscheinlich an einer schnellen Refinanzierung der Investitionen interessiert. Dazu muss eine 700 MHz-Mobilfunkinfrastruktur aufgebaut werden. Deren Inbetriebnahme ist allerdings erst möglich, wenn dieser Bereich durch den Rundfunk geräumt wurde. Es handelt sich konkret um die Frequenzbereiche 703-733 MHz und 758-788 MHz. In den neuen Mobilfunkbereichen zwischen 703 und 733 MHz können Audio-PMSE (drahtlose Mikrofone, IEM und vergleichbare Anwendungen) nicht weiter betrieben werden, weil es sowohl bei PMSE als auch im Mobilfunk zu erheblichen Störungen kommen würde. Die Frequenzbereiche 694-703 MHz und 733-758 MHz werden nicht vom Mobilfunk genutzt. Hier könnten PMSE weiter betrieben werden. Allerdings wird in Europa für diese Frequenzen die Einführung eines Behördenfunks (PPDR) beraten – sozusagen ein Trittbrettfahrer der Mobilfunkeinführung.
Da für PPDR auch der Bereich um 450 MHz in Diskussion ist, ist offenbar eine politische Umsetzungsentscheidung zu treffen. Danach kann langfristig der gesamte 700 MHz-Bereich für PMSE verloren sein oder die s.g. Duplexlücke bleibt weiter nutzbar.

Braucht es ein Bundesgesetz zum Schutz der Drahtlosanwender des Kulturbetriebs?

Fehr: Die Erfahrungen der letzten Jahre zwingt uns zu einer eindeutigen Forderung: Einrichtung einer langfristigen Planungssicherheit für PMSE-Anwender, -Hersteller und deren Dienstleister! Hierfür engagieren wir uns sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene. Genauso, wie wir akzeptieren müssen,
dass die Spektrumvergabe an den Mobilfunk in der Regel durch die Politik als Weisung an die zuständigen Behörden zur Umsetzung übertragen wird, erwarten wir
sachdienliche politische Entscheidungen, die die zuständigen Behörden zur Umsetzung langfristiger Planungssicherheit befähigen.
Jeder konstruktive Lösungsansatz in diese Richtung wird nachhaltig von der APWPT unterstützt.

Ende Mai ist das neue Antennenfernsehen DVB-T2 gestartet. Welche Auswirkungen hat die Fernsehterrestrik?

Fehr: Wie bereits zuvor beschrieben ist eine weitere PMSE-Nutzung nicht möglich, wenn zuvor freie TV-Kanäle jetzt regional mit DVB-T2 belegt werden. Bisher erhalten wir vorab von der BNetzA keine Vorabinformationen zum Ausbau der DVB-T2-Sender. Erst wenn die Rundfunkanbieter über die Umstellung informieren,
ist es uns möglich unsere Mitglieder zu warnen. Hier sehen wir erhebliches Verbesserungspotential. Die DVB-T2-Umstellung ist allerdings kein nationales, sondern eine internationale Koordinierungsaufgabe. Das erschwert die frühzeitige Bereitstellung von Daten. PMSE-Anwender in Grenznähe müssen zusätzlich Änderungen in den Nachbarstaaten berücksichtigen.

Wie steht es weltweit um das Thema Funkspektrum für Drahtlosanwender, gibt es neue Initiativen und Vorschläge zum Schutz der Kulturschaffenden?

Fehr: Wir wiederholen an dieser Stelle unsere Forderung nach politischen Entscheidungen zu einer langfristig garantierten Planungssicherheit für PMSE-Anwender,-Hersteller und deren Dienstleister. Die Suche nach alternativen Frequenzbereichen ist damit nicht abgeschlossen. Wenn wir das weitere Wachstum und steigende Qualitätsansprüche von Kunst, Kultur und des Kreativbereichs sichern wollen, dann sind weitere Frequenzbereiche zu prüfen. Parallel dazu fordert der
Mobilfunkbereich die „Übergabe“ weiterer Frequenzbereiche, in denen PMSE aktuell betrieben werden. Eine politische Grundsatzentscheidung zu Gunsten einer langjährigen PMSE-Nutzung ist daher aus unserer Sicht kurzfristig zu treffen.

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