Unsere Website verwendet Cookies um bestimmte Funktionen bestmöglich darstellen zu können. Indem Sie fortfahren, stimmen Sie dieser Verwendung zu. Sofern Sie die anonymisierte Aufzeichnung von Daten über die Benutzung dieser Webseite durch Google Analytics nicht wünschen, klicken Sie bitte rechts auf den Button "Opt-Out". Für weitere Informationen lesen Sie bitte die Datenschutzbestimmungen

Sind Musikveranstaltungen in Zukunft noch bezahlbar?

Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V. (EVVC) wehrt sich mit der DEHOGA gegen überhöhte GEMA-Tarife
(von Joachim König, Präsident EVVC)

Veranstaltungen kosten Geld, das ist hinlänglich bekannt. Viele Kostenarten liegen bei der Planung und Organisation eines Events auf der Hand, wie z.B. Mietkosten für die Location, Licht- und Tontechnik, Mietmobiliar und Dekoration, Künstler und Catering. Doch dann gibt es noch die versteckten Kosten, wie z.B. Künstlersozialabgabe oder die GEMA-Gebühren. Auch diese sollte man bei der Vorabkalkulation einer Veranstaltung auf keinen Fall vergessen, wenn man nicht nach der Veranstaltung ein böses Erwachen erleben möchte.

Egal ob Musik aus dem In- oder Ausland, ob Pop oder Klassik, die GEMA fordert ihr Tribut. Im Gegensatz zu einem Patent für technische Erfindungen, das Schutz für lediglich 20 Jahre bietet, verjährt das Urheberrecht bei Komponisten erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.

Ab dem 01. Januar 2013 könnte jedoch schon Schluss sein, bevor die Veranstaltung begonnen hat, da die GEMA, Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, plant, in vielen Bereichen ihre Tarife in einer drastischen Art und Weise zu erhöhen, die Kostensteigerungen für einzelne Veranstaltungen von mehreren hundert Prozent nach sich ziehen könnte.

Betroffen sind nach Angaben der GEMA über eine Million Veranstaltungen, bei denen Musik live oder von Tonträgern (CD, DVD, PC, Laptop usw.) gespielt wird. Das sind z.B. alle Veranstaltungen in der Gastronomie, vom Jazzabend bis zur Ü-30-Party, Tanzveranstaltungen, Bälle, Galas, Silvesterfeiern, Bunte Abende aber auch Straßenfeste, die durch ein aktuelles BGH-Urteil schon jetzt eine Vervielfachung der Lizenzgebühren zu verkraften haben.


GEMA nutzt Monopolstellung für radikale Tarifreform

Mit einer bisher noch nicht dagewesenen Vorgehensweise und Arroganz spielt die GEMA ihre übermächtige Stellung gegenüber den Musiknutzern in Deutschland aus: Ohne jegliche Bereitschaft, Kompromisse zu suchen oder zu verhandeln, hat sie der Bundesvereinigung der Musikveranstalter, dem Dachverband der Musiknutzer, deren Mitglieder z.B. der Europäische Verband der Veranstaltungs-Centren e.V. (EVVC) und der DEHOGA sind, neue Tarife vorgelegt.

Die GEMA will ab dem 01. Januar 2013 eine vollkommen neue Tarifstruktur im Veranstaltungsbereich zur Anwendung bringen, die zu existenzbedrohenden Erhöhungen der GEMA-Gebühren für Livemusik- und Tonträgerveranstaltungen führt. Offensichtlich will die GEMA ihre Einnahmen auf Kosten der Musikveranstalter erheblich steigern. Diese Tariferhöhung ist weder nachvollziehbar noch akzeptabel. Sie gefährdet unmittelbar Arbeitsplätze in der Musikindustrie und in Folge auch in Gastronomie und der Veranstaltungsbranche.

Mit überhöhten Tarifen werden sich zum einen die Eintrittspreise für Musikveranstaltungen drastisch erhöhen und somit zu einem Besucherrückgang führen. Für Silvester zum Beispiel bedeutet das: zurück zum Fondue zuhause anstatt auf großen Parties in Veranstaltungslocations und Hotels. Aber auch überhöhte Eintrittspreise sind letztendlich kein probates Mittel, da sich dann auch die GEMA-Gebühren noch weiter erhöhen.

Die Folge der vollkommen, überhöhten GEMA-Tarife wird sein, dass sich immer mehr Veranstalter genau überlegen werden, ob sich eine Veranstaltung noch rechnet. Gerade jungen Nachwuchsmusikern wird dadurch die für sie wichtige Plattform entzogen. Mehrere tausend Bands und Kapellen werden an Silvester arbeitslos sein, weil kein Veranstalter sich diese Kosten mehr leisten kann. Es wird zu deutlich weniger Veranstaltungen und somit zu einer Verarmung der Veranstaltungskultur in Deutschland kommen.

Für einen Verein wie die GEMA, der nach eigenen Angaben in Deutschland die Urheberrechte von mehr als 64.000 Komponisten, Textautoren und Musikverlegern sowie von über zwei Millionen Rechteinhabern aus aller Welt vertritt, mutet dieses Szenario schon seltsam an. Sie schneidet sich mit dieser Reform ins eigene Fleisch.


Die geplante Tarifstruktur

Nach GEMA-Angaben sollen künftig zwei Tarife (für Livemusik und für Tonträgermusik) bislang geltende elf Tarife ersetzen. Damit geht jedoch ein sehr großer Teil der mit diesen unterschiedlich gestalteten Tarifen erzielten Einzelfallgerechtigkeit verloren.

Einfacher und ausgewogener seien die neuen Tarife und führen zu deutlichen Vergünstigungen, argumentiert die GEMA. Verschwiegen wird hier jedoch, dass diese Vergünstigungen nur verhältnismäßig wenige Veranstaltungen, mit Eintrittsgeld zwischen zwei und acht Euro, betreffen. Im Gegensatz dazu führt die Reform für viele Musiknutzer zu Erhöhungen von mehreren hundert bis zu über tausend Prozent mit sich.

Darüber hinaus werden Nachlässe wie z.B. beim Abschluss eines Jahrespauschalvertrages wegfallen und dafür neue Zuschläge entstehen. So erhöhen sich die Gebühren um weitere 50 Prozent, wenn Musik länger als fünf Stunden gespielt wird. Eine Abendveranstaltung mit Musik, die um 19.30 Uhr beginnt, würde sich dann ab 0.30 Uhr nochmals deutlich verteuern. Discotheken mit einer Öffnungszeit in der Regel von 22.00 bis 5.00 Uhr sind von dieser Regelung besonders betroffen. Ihnen drohen Gebührenerhöhungen von durchschnittlich 400 Prozent, abhängig von der Raumgröße und den Eintrittspreisen.

Neben dem GEMA-Basistarif erhöhen sich die bei Tonträgerveranstaltungen üblichen weiteren Zuschläge, z.B. Vervielfältigungszuschläge wenn ein PC oder ein Laptop eingesetzt wird, sowie die Zuschläge der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL), die als Anteil von GEMA abgeführt werden.

Den Musiknutzern drohen darüber hinaus Tariferhöhungen durch die GVL, die ihren derzeitigen Zuschlag für die Wiedergabe von Tonträgern von 20 auf künftig 100 Prozent der GEMA-Tarife erhöhen möchte. Hiergegen führt die Bundesvereinigung der Musikveranstalter bereits ein gerichtliches Verfahren.

Auch im Hinblick auf die GEMA-Tarife bleibt offensichtlich nur der Weg vor Gericht. Für eine Tarifstrukturänderung besteht keine Veranlassung, die Tarife haben sich seit über 50 Jahren im Markt bewährt. Auch der Aufsichtsbehörde wurden erst vor vier Jahren – damals noch gemeinsam mit der GEMA – qualifizierte Sachgründe genannt, die die bestehenden Strukturen rechtfertigen. Es wird höchste Zeit, dass den ausufernden Forderungen der Verwertungsgesellschaften endlich ein Riegel vorgeschoben wird.


Berechnungsbeispiele


Die GEMA-Gebühren für eine Live- oder Tonträgerveranstaltung verändern sich beispielsweise für Veranstaltungen mit Tanz (z.B. Bälle, Ü 30-Partys, Abi-Partys etc.) in größeren Räumen/Hallen wie folgt (jeweils ohne Verbandsnachlass; bei Paketpreisen, z.B. Essen mit Tanz, werden 1/3 vom Gesamteintrittspreis für die Musik berechnet):

  • Veranstaltung mit Livemusik von 20-2 Uhr, Raumgröße von 400 qm, 30 Euro Eintritt für die Musik = bisher: 424,- Euro brutto, ab 2013: 1926,-Euro brutto (+ 354 %)

 

  • Veranstaltung mit Tonträgermusik mittels Laptop von 21-5 Uhr, Raumgröße von 600 qm, 15 Euro Eintritt für die Musik = bisher: 892,- Euro brutto,ab 2013: 2214,-Euro brutto (+ 148 %)

 

  • Veranstaltung mit Livemusik von 20-2 Uhr, Raumgröße von 1000 qm, 40 Euro Eintritt für die Musik = bisher: 990,- Euro brutto, ab 2013: 6420,-Euro brutto (+ 548 %)

 

  • Veranstaltung mit Livemusik von 20-2 Uhr, Raumgröße von 3000 qm, 50 Euro Eintritt für die Musik = bisher: 2192,- Euro brutto, ab 2013: 24.075,-Euro brutto (+ 998 %)



Was ist zu tun?

Der Europäische Verband der Veranstaltungs-Centren e.V. (EVVC) als Vertreter von rund 700 Veranstaltungshäusern und 330 Mitgliedsbetrieben unterstützt die Bundesvereinigung der Musikveranstalter und den DEHOGA nachdrücklich in seiner Forderung der Rücknahme der GEMA-Tariferhöhung. Bis ein eindeutiges richterliches Urteil vorliegt, muss die Reform zumindest ausgesetzt werden.

Der EVVC wird sich mit allen, auch gerichtlichen Mitteln gegen diese massiven Tariferhöhungen zur Wehr setzen. Ein entsprechendes Gerichtsverfahren zwischen GEMA und der Bundesvereinigung der Musikveranstalter ist bereits anhängig und befindet sich in der 1. Instanz vor der urheberrechtlichen Schiedsstelle. Binnen Jahresfrist ist hier mit einer Entscheidung zu rechnen. Danach wird vermutlich das OLG München und der Bundesgerichtshof mit der Sache befasst werden.

Auf http://www.evvc.org/de/engagement/GEMA/ finden Sie unter anderem einen GEMA-Tarifrechner, der insbesondere alle anfallenden Tarifzuschläge berücksichtigt, sowie weitere Informationen zum Thema.
An jeden Einzelnen möchten wir appellieren, sich mit seiner persönlichen und existenziellen Betroffenheit an den Bundestagsabgeordneten seiner Heimat zu wenden sowie Kunden und Gäste zu mobilisieren, die online-Petition „Gegen die Tarifreform 2013 – GEMA verliert Augenmaß“ zu unterstützen. Bisher haben sich bereits weit über 125.000 Personen diesem Widerstand gegen die GEMA angeschlossen.


Jetzt Petition unterzeichnen!

Bereits über 150.000 Personen haben die offene Petition unter www.kultur-retten.de unterzeichnet, um sich gegen die GEMA-Tarifreform zu wehren. Nutzen auch Sie Ihre Chance als Wähler, um die Politik auf die Situation aufmerksam zu machen und zeichnen noch heute!


(Quelle: DEHOGA Bundesverband)