Forschungsprojekt RESTART-19 - Zusammenfassung der Empfehlungen

Veröffentlicht am 17.11.2020
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Universitätsmedizin Halle

Ende Oktober 2020 wurden die Ergebnisse des Forschungsprojektes RESTART-19 im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. RESTART-19 ist eine wissenschaftliche Studie der Universitätsmedizin Halle (Saale), in der das von Hallen-Großveranstaltungen ausgehende Ansteckungsrisiko mit COVID-19 simuliert wird. Dazu wurde eine Konzertveranstaltung in 3 verschiedenen Szenarien mit insgesamt 4000 Probanden in der QUARTERBACK Immobilien ARENA nachgestellt.

In Szenario 1 wurde eine Veranstaltung mit 4000 Besuchern und einem Veranstaltungsablauf wie vor Beginn der Pandemie simuliert.

In Szenario 2 wurden ebenfalls 4000 Besucher in die QUARTERBACK Immobilien ARENA eingelassen, allerdings nach einem optimierten Hygienekonzept und deutlichen größeren Abständen zwischen den Teilnehmern.

In Szenario 3 wurde auf den Zuschauertribünen ein Abstand von 1,5m eingehalten. Hier waren nur noch knapp 2000 Probanden beteiligt. Während den einzelnen Szenarien hat Tim Bendzko ein Konzert geben, um das Zuschauerverhalten möglichst realitätsnah abzubilden. Auch die An- und Abreise mit der Straßenbahn wurde simuliert.

(Auszug aus www.restart19.de)


Ergebnisse
Die wichtigsten Ergebnisse wurden bereits in einer - auch vom EVVC veröffentlichten Pressemitteilung - zusammengefasst:

  • Die Gesamtzahl der mehrere Minuten langen kritischen Kontakte ist bei der Veranstaltung nicht sehr hoch und kann durch Hygiene-Konzepte erheblich reduziert werden.
  • Insbesondere während des Einlasses und der Pausen finden viele Kontakte statt. Daher muss darauf der Fokus bei der Planung liegen.
  • Schlechte Belüftung kann die Zahl der dem Ansteckungsrisiko ausgesetzten Menschen deutlich erhöhen.
  • Rund 90 Prozent der Studienteilnehmenden finden es nicht schlimm, eine Maske zu tragen und sind bereit, dies weiterhin zu tun, um wieder Veranstaltungen erleben zu können. (Umfrage nach dem Konzert-Experiment)
  • Bei Einhaltung von Hygiene-Konzepten sind die zusätzlichen Auswirkungen auf die Pandemie insgesamt gering bis sehr gering.

„Die Ergebnisse decken sich mit unseren Thesen insoweit, als dass wir vermutet haben, dass die Kontakte, die bei einer Veranstaltung erfolgen, nicht alle Teilnehmenden umfassen. Deshalb könnten Veranstaltungen unter bestimmten Bedingungen auch in der Pandemie-Situation stattfinden. Die wichtigste Erkenntnis war für uns, wie groß die Auswirkungen einer guten Belüftungstechnik sind. Diese ist für das Ansteckungsrisiko eine entscheidende Schlüsselkomponente“, sagt Studienleiter Dr. Stefan Moritz von der Universitätsmedizin Halle (Saale). Diese Erkenntnisse sind der Strömungssimulation zu verdanken, die gemeinsam mit einem Ingenieurbüro entstanden sind. „Wir haben zusammen mit einem Ingenieurbüro die gesamte Quarterback Immobilien Arena als Computermodell nachgebaut und in kleine Würfel geteilt. Danach haben wir simuliert, wie sich verschiedene Lüftungsvarianten auf die Aerosolversteilung ausgewirkt haben“, erklärt Moritz.

„Um die Auswirkungen der Übertragung auf die Ausbreitung der Epidemie in der Bevölkerung insgesamt zu untersuchen, haben wir ein detailliertes epidemiologisches Simulationsmodel entwickelt“, sagt Prof. Dr. Rafael Mikolajczyk vom Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Medizinischen Fakultät der Universität Halle. „Wir griffen dabei auf existierende Modelle zur pandemischen Planung zurück und haben es entsprechend angepasst.“

Empfehlungen
Anhand ihrer Erkenntnisse leiten die Forschenden folgende Empfehlungen ab:

  • Veranstaltungshäuser benötigen Belüftungstechnik, die eine gute Belüftung und einen regelmäßigen Raumluftaustausch mit frischer Luft ermöglicht. Sinnvoll ist die Erstellung eines Bewertungssystems für eine adäquate Raumlufttechnik.
  • So lange die Pandemie anhält, müssen Hygiene-Konzepte weiterhin angewendet werden: Maskenpflicht in der Halle; Hygiene-Stewards zur Einhaltung der Standards.
  • Der Bestuhlungsplan und somit die Gästezahl sollten an die Inzidenz angepasst werden.
  • Als Zugang zu den Veranstaltungsorten sollten mehrere Eingänge vorhanden sein, um Besucherströme zu lenken. Wartezonen ins Freie verlagert werden.
  • Während der Veranstaltung sollte an den Sitzplätzen gegessen werden, um Gedränge und lange Kontakte an Imbiss-Ständen zu vermeiden.

Die komplette Pressekonferenz inkl. aller detaillierten Erläuterungen zu den Auswertungen, Ergebnissen und Empfehlungen finden Sie hier.
Die im Rahmen der Pressekonferenz veröffentlichten Empfehlungen haben wir Ihnen in einem Dokument zusammengefasst.

Anmerkung des EVVC
Bei dem durchgeführten Forschungsprojekt RESTART-19 handelt es sich um eine von mehreren Quellen für mögliche Veranstaltungskonzepte im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Aus diesem Grund weisen wir darauf hin, dass wir die Ergebnisse des Projektes nicht als alleinige Basis für ein Konzept zum möglichen Neustart sehen und damit auch nicht gezielt Interessenvertretung betreiben.

Alle weiteren Informationen finden Sie unter www.restart19.de.

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