Forum Veranstaltungswirtschaft fordert Wochenarbeitszeit zur Umsetzung von Veranstaltungstagen - Branchendialog mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)

Veröffentlicht am 15.09.2026
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Das Forum Veranstaltungswirtschaft hat im digitalen Branchendialog mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) der Debatte Raum gegeben, wie weit gewerkschaftliche Lösungswege für die besonderen Arbeitszeit-Herausforderungen der Veranstaltungswirtschaft tatsächlich reichen. Gesprächspartnerin war Isabel Eder, Mitglied des Bundesvorstands des DGB und dort Abteilungsleiterin für Recht und Vielfalt. Ein zentrales Ergebnis: Ein Tarifvertrag ist kein Allheilmittel, das die branchenspezifischen Probleme der Arbeitszeitgestaltung automatisch löst. Aus Sicht der Mitgliedsverbände des Forum Veranstaltungswirtschaft und vielen Teilnehmern aus der Branche bedarf es einer Wochenarbeitszeit zur Lösung des Problems von langen Veranstaltungstagen.

Das Forum machte zugleich deutlich: Die Branche fordert keine generelle Ausweitung der Arbeitszeit auf zwölf Stunden. Nach übereinstimmender Einschätzung aus der Praxis lässt sich der überwiegende Teil der Arbeit schon heute im bestehenden gesetzlichen Rahmen leisten; es geht um klar definierte Ausnahmesituationen an einzelnen Veranstaltungstagen – etwa bei Tourneen mit engem Zeitplan, langen Veranstaltungstagen mit umfangreichen Vor- und Nachbereitungsphasen sowie Vertrauens- und Sicherheitsfunktionen, eine Wochenarbeitszeit mit klaren Ruhezeiten könnte hier die nötige Flexibilität schaffen. Auffällig dabei: Der Wunsch nach mehr Flexibilität geht nach den Erfahrungen aus der Branche häufig von den Beschäftigten selbst aus – etwa, wenn sie einen langen Arbeitstag in Kauf nehmen, um im Gegenzug ein zusammenhängendes freies Wochenende zu erhalten.

Der DGB sieht beim Arbeitszeitgesetz nach eigener Aussage grundsätzlich keinen Änderungsbedarf – das bekräftigte Isabel Eder im Gespräch mehrfach. Eine Annäherung der Positionen ergab sich daher nicht. Auch mit Blick auf die Möglichkeit der Flexibilisierung von Arbeitszeit durch Tarifverträge machte Eder deutlich, dass diese branchenspezifischen Probleme nicht beliebig lösen können:  Lange Arbeitstage müssten aus gewerkschaftlicher Sicht so ausgeglichen werden, dass die körperliche und psychische Gesundheit der Beschäftigten über den gesamten Erwerbsverlauf – von der Ausbildung bis zur Rente – geschützt bleibt. Öffnungsklauseln in Tarifverträgen seien deshalb nur dort sinnvoll, wo auf beiden Seiten wo starre Arbeitszeitgrenzen den Betriebsablauf blockieren oder den Wünschen der Beschäftigten widersprechen. Zu branchenspezifischen Gegebenheiten der Veranstaltungswirtschaft konnte Frau Eder im Gespräch nach eigener Aussage bislang kaum belastbare Daten oder Erfahrungswerte beisteuern.

Der Dialog liefert dem Forum Veranstaltungswirtschaft eine klare strategische Konsequenz: Die besonderen Arbeitszeitprobleme der Branche lassen sich nicht allein über tarifvertragliche Regelungen lösen. Zentraler Adressat für die weitere politische Arbeit sind deshalb die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag. Ziel muss eine gesetzlich verankerte, für eine generelle oder klar umrissene Sonderregelung für eine Wochenarbeitszeit für die Veranstaltungswirtschaft sein, die den besonderen betrieblichen Abläufen der Veranstaltungswirtschaft Rechnung trägt. Vergleichbare branchenspezifische Ausnahmen bestehen bereits in anderen Bereichen, etwa im Bäckerei- und Konditorenhandwerk. Damit bekräftigt das Forum Veranstaltungswirtschaft auch die Forderung eines Verbändebündnisses von 18 Wirtschaftsverbänden, welchem viele Mitglieder des Forums Veranstaltungswirtschaft angehören. Das Forum wird seine Forderung nach einer solchen praxistauglichen Lösung künftig noch stärker unmittelbar gegenüber Bundesregierung und Gesetzgeber vertreten.

Das Forum Veranstaltungswirtschaft zieht aus dem Austausch eine zukunftsweisende und bestärkende Schlussfolgerung: „Der Dialog hat uns wertvolle Klarheit verschafft und unseren Weg bestätigt: Wir setzen uns weiterhin mit voller Kraft für die Veranstaltungswirtschaft ein. Ein Tarifvertrag ist dabei ein möglicher Baustein – die echte, nachhaltige Stärkung unserer Branche erreichen wir jedoch durch das perfekte Zusammenspiel mit einer maßgeschneiderten, gesetzlichen Verankerung einer Wochenarbeitszeit für die Bedürfnisse der Veranstaltungswirtschaft. Diesen rückenwindgestärkten Impuls tragen wir nun mit Zuversicht in die weiteren Gespräche mit dem Gesetzgeber., sagt René Tumler, Geschäftsführer des Europäischen Verband der Veranstlatungs-Centren (EVVC).

Der Reformbedarf aus Sicht der Branche bleibt bestehen. Der Dialog mit dem DGB soll deshalb als offener Austausch über Arbeitswelten und-realitäten weiter fortgesetzt werden.


Über das Forum Veranstaltungswirtschaft
Das Forum Veranstaltungswirtschaft ist die Allianz der führenden Verbände der Branche in Deutschland. Es vereint den Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), den Europäischen Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC), den Fachverband Messen und Ausstellungen (FAMA), die Interessengemeinschaft der selbständigen Dienstleisterinnen und Dienstleister in der Veranstaltungswirtschaft (ISDV), den Bundesverband der Musikspielstätten in Deutschland (LiveKomm) sowie den Verband der Veranstaltungsorganisatoren (VDVO). Ziel der Allianz ist es, die Kräfte der Branche zu bündeln und durch gemeinsame Netzwerke, Kompetenzen und Ressourcen eine stärkere politische Interessenvertretung zu erreichen.

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