Neue Studie von The Changency und BDKV zeigt enormes Potenzial für ÖPNV-Kombitickets

Veröffentlicht am 16.07.2026
article image Quelle: The Changency

Kostenlos mit Bus und Bahn zum Konzert? Das ermöglichen sogenannte Kombitickets, die Veranstaltungsticket und ÖPNV-Fahrschein vereinen. Wie groß das ungenutzte Potenzial solcher Tickets aktuell noch ist, zeigt die neue Machbarkeitsstudie „Kombiticket ohne Limit“ von The Changency in Kooperation mit dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft. Sie liefert erstmals Fakten zum Mehrwert und dem Potenzial aus unterschiedlichen Perspektiven.

Bis zu 90 % der Veranstaltungs-Emissionen entstehen durch die Anreise des Publikums. Hier liegt einer der größten Hebel für eine nachhaltige Veranstaltungsbranche, das Kombiticket kann dabei unterstützen. Wie viel Potenzial hier bislang ungenutzt brach liegt, macht nun die neue Machbarkeitsstudie „Kombiticket ohne Limit“ deutlich. Umgesetzt wurde die Untersuchung von der Nachhaltigkeitsagentur The Changency in Kooperation mit dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV e.V.), wissenschaftlich begleitet vom Wuppertal Institut und von der Initiative Musik gefördert. Leitstern des Projekts war die Vision, jedes Veranstaltungsticket für 24 Stunden bundesweit als Deutschlandticket nutzbar zu machen.

Großes Potenzial trotz diverser Hürden

Die Machbarkeitsstudie bindet erstmals alle relevanten Stakeholder ein, darunter die Verkehrsbranche, Besucher*innen und Veranstalter*innen, die für 35 Millionen Ticketverkäufe pro Jahr stehen. Die Ergebnisse zeigen ein riesiges, ungenutztes Potenzial: Bislang sind schätzungsweise nur 5,5 % bis 12 % aller Veranstaltungtickets in Deutschland Kombitickets. Hauptgründe sind zu hohe Preise sowie komplizierte, separate Verhandlungen mit den regionalen Verkehrsverbünden. Zudem mangelt es oft an guter Kommunikation, denn ein Großteil des Publikums weiß oft nicht, dass ihre Eintrittskarte bereits als Fahrschein gilt. Dabei ist zwei Drittel der Besucher*innen das Angebot eines Kombitickets wichtig.

Stimmen zur Studie:

Rosa Hoelger, Projektmanagerin The Changency GmbH: „Das Kombiticket ist hocheffektiv: Bis zu 24 % der ÖPNV-Nutzer*innen steigen erst dadurch auf Bahn und Bus um. Um das wirtschaftliche und ökologische Potenzial auszuschöpfen, brauchen wir bundesweit standardisierte Prozesse. Das verschlankt den Aufwand radikal, spart dem Nahverkehr Geld und öffnet Türen für kleinere Veranstaltungen.”

Sarah Lüngen, Geschäftsführerin von The Changency GmbH: “Die Arbeit an diesem Projekt hat uns gezeigt: Die Vision eines deutschlandweit gültigen ‚Kombiticket ohne Limit‘ ist schwer umsetzbar und kann nur ein Teil der Lösung sein. Was uns dieses Projekt aber auch gezeigt hat: Alle beteiligten Stakeholder sind interessiert an einer Verbesserung des Status quo und bereit, gemeinsam an diesem Prozess zu arbeiten. Denn von einer Standardisierung und Nutzung brachliegender Potenziale profitieren am Ende alle Beteiligten.”

Johannes Everke, Geschäftsführer des BDKV e.V.: „Die Begeisterung für ein deutschlandweites Kombiticket zeigt, wie tief der Wunsch nach nachhaltigen Lösungen in der Branche verankert ist. Aber das ‚Kombiticket ohne Limit‘ erweist sich in der Praxis noch als extrem dickes Brett. Die Studie liefert der Kulturbranche und der Politik nun die dringend benötigten harten Fakten, um auf Augenhöhe zu verhandeln.“

Katja Lucker von der Initiative Musik gGmbH: „Nachhaltige Transformation gelingt mit Wissen, Austausch und konkretem Handeln. Diese Machbarkeitsstudie schafft dafür eine wichtige Grundlage. Die Initiative Musik unterstützt mit der Förderung dieses Projekts die Entwicklung praxisnaher Lösungen für eine zukunftsfähige und resiliente Musikbranche.“

Die im Rahmen der Machbarkeitsstudie intensiv diskutierte Vision eines bundesweit gültigen "Kombitickets ohne Limit", das Veranstaltungstickets am Tag des Events zu Deutschlandtickets werden lässt, stößt bei Veranstalter*innen (85 %) und Besucher*innen (83 % und 63 %) auf große Zustimmung. Dennoch deckt die Studie auch ungelöste strukturelle Zielkonflikte auf: Die enorme Leistung eines deutschlandweiten 24-Stunden-Fahrscheins steht im direkten Widerspruch zu dem angestrebten Preismodell. Als Teil der Studie hat The Changency daher einen Alternativ-Vorschlag entwickelt, um aufzuzeigen, wie das aktuell ungenutzte Potenzial von Kombitickets dennoch ausgeschöpft werden kann.

Auszug der Kernerkenntnisse im Überblick:

  • Nachhaltigkeit ist das Top-Motiv: Für 95 % der Veranstalter*innen ist der Klimaschutz der stärkste Grund für die Einführung eines Kombitickets.
  • Hohes Interesse, geringe Umsetzung: 37 % der Veranstalter*innen verzichten auf Kombitickets, obwohl sie daran interessiert sind, daher sind nur 5,5 % bis 12 % aller Veranstaltungstickets in Deutschland aktuell auch Kombitickets
  • Das Publikum wünscht sich ein Kombiticket: Rund zwei Drittel der Gäste bewerten das integrierte Fahrticket als wichtig.
  • Wirtschaftlicher Nutzen für den Nahverkehr: Der Absatz von Kombitickets könnte bis zu 18x so hoch sein, wie er aktuell ist.
  • Der Preisfaktor: Zwei Drittel der Veranstalter*innen zahlen eine Pauschale zwischen 0,50 Euro und 2,00 Euro pro Ticket an die Verkehrsbetriebe. Zu hohe Preise gelten für 67 % als das größte Hemmnis für eine Umsetzung.

Fazit: Die Studie fordert ein Umdenken und eine flächendeckende Standardisierung, um Ressourcen zu schonen und das ungenutzte Potenzial zu aktivieren. Unabdingbar dafür ist es, die enorme Reichweite der Branche dafür zu nutzen: Mit fast 540 Millionen Besucher*innen jährlich, davon allein 100 Millionen im Livemusik-Sektor, besitzt der Veranstaltungsbereich eine enorme Hebelwirkung, um die gesteckten Klimaziele gemeinsam zu erreichen.

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