Neuer IHK-Zertifikatslehrgang schafft Grundlage für Veranstaltungen trotz Corona

Veröffentlicht am 21.07.2020
article image Quelle: FAMAB e.V.

Die Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg hat es innerhalb kürzester Zeit ermöglicht, die bislang einzigartige Weiterbildung zu diesem Themengebiet „Fachbeauftragte/r für Hygiene im Veranstaltungswesen“ zu etablieren. Dies mit Experten aus dem Veranstaltungssektor und Wissenschaftlern aus der Medizin. So konnte eine schnelle Lösung geboten werden für die Veranstaltungswirtschaft, die von den Pandemiefolgen besonders stark getroffen ist. 

Wirtschaftsveranstaltungen, Messen und Kongresse sowie weitere Formate, die als Großveranstaltungen definiert werden, wurden in einem bundesweiten Erlass vorerst bis November 2020 untersagt. Zudem schwächt die nun massiv beginnende Rezession die Veranstaltungsbranche. Sie war bislang eine der sechs wirtschaftsstärksten Schlüsselbranchen Deutschlands, die in den Vorjahren einen jährlichen Umsatz von 130 Milliarden Euro erzielte und mindestens rund eine Million Menschen beschäftigte. Bislang fanden die Hälfte aller Geschäftsreisen nach Deutschland aufgrund von Veranstaltungen statt. Deutschland zählt zu den drei wichtigsten Veranstaltungs- und Messedestinationen weltweit.

Veranstaltungen infektionssicher ermöglichen
„Wenn Veranstaltungen infektionssicher möglich sind, können wir schrittweise in eine neue Normalität zurückkehren. Dies jedoch nur mit einer fundierten Strategie auf einem sauberen Weg. Wir können uns keine Rückschläge durch Ausbruchsgeschehen leisten. Spezialisten mit dem Zertifikatswissen Fachbeauftragte/r für Hygiene im Veranstaltungswesen können helfen, solch ein Risiko substanziell zu reduzieren. Denn der Schutz der Gesundheit steht über allem. Wir wollen gemeinsam unseren Kunden die Ängste nehmen und ihnen das Vertrauen in ihre Veranstaltungen geben. Ziel ist es, Engagement und Wissen für die Wiederermöglichung von Veranstaltungen zu bündeln und so sichere und schöne Veranstaltungen wieder stattfinden zu lassen – also das tun, was wir am besten können.“ so Rebecca Franz, die für die Weiterbildung bei saveevents.org verantwortlich ist. Sie stellt weiter fest: „Gleichzeitig muss es wieder möglich sein, Grundrechte zu leben. Mit erheblichen wirtschaftlichen Belastungen trägt unsere Branche im Interesse des Bevölkerungsschutzes die Konsequenzen des Veranstaltungsverbots. Deshalb helfen wir mit, Auswege zu suchen. Die Regierung und in unserem speziellen Fall die Amtsärzte werden noch für einige Zeit Letztentscheider bleiben, ob eine Veranstaltung möglich ist. Deshalb ist es unverzichtbar, dass wir mit den Gesundheitsbehörden Strategien erarbeiten, wie Versammlungs- und Berufsfreiheit wieder ermöglicht werden.“
Mit diesem Ziel wird seit dem 2. Juni 2020 der neue Lehrgang angeboten. Bereits über 50 Fachbeauftragte für Hygiene im Veranstaltungswesen haben bis heute die Weiterbildung erfolgreich absolviert und das Zertifikat der IHK erhalten.

Aus der Praxis für die Praxis erarbeitet
Mit der vielbeachteten Musterveranstaltung „Back to Live“ in der Offenbacher Fredenhagen-Halle und mit einer Sonderausstellung in Ober-Mörlen zeigten etliche Branchenunternehmen bereits, dass sichere Veranstaltungen möglich sind. Hier wurde demonstriert, wie Events mit nötigen Gesundheitsschutz- und Hygienemaßnahmen realisiert werden können. Um die Branche mit der neuartigen erforderlichen Expertise auszustatten, sind nun Weiterbildungen essenziell. Ein wesentlicher Bestandteil ist da der neue IHK-Zertifikatslehrgang Fachbeauftragte/r für Hygiene im Veranstaltungswesen. Er wurde von zahlreichen Praxispartnern gemeinsam mit der IHK Gießen-Friedberg in kürzester Zeit und gleichsam fundiert erarbeitet. 40 Prozent der Zeit Theorie, 60 Prozent Praxisbeispiele und Unterweisung in Ober-Mörlen und Fredenhagen in Offenbach erlauben einen effektiven Praxistransfer.

Konzept des Lehrgangs
Zweck des Lehrgangs ist es, die im – auch international – vielbeachteten Stufenleitplan „Veranstaltungssicherheit im Kontext von COVID-19: Handlungsempfehlung des Research Institute for Exhibition and Live-Communication (R.I.F.E.L.)” geschaffenen und bei „Back to Live“ verifizierten Grundlagen zu vermitteln. Die Initiatoren des Lehrgangs heben hervor, dass Veranstaltungen nun noch viel sicherer durchgeführt werden können, da Hygienefachbeauftragte diese planen, begleiten und die Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden vornehmen können. Der Lehrgang wurde auch deshalb in Kooperation mit der IHK Gießen-Friedberg ins Leben gerufen, da die Region aufgrund der Präsenz von IHK, Technischer Hochschule Mittelhessen und Branchenmarktführern ein namhafter Weiterbildungsstandort ist.

Zusammenarbeit mit Medizin und Wissenschaft
Die Lerninhalte dieser Weiterbildung sind eigens und erstmalig erarbeitet worden. Die medizinisch-wissenschaftliche Beratung erfolgte durch Prof. Dr. Klaus-Peter Hunfeld, MPH, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Krankenhaushygiene, Frankfurt, und PD Dr. Frank-Albert Pitten, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, Geschäftsführer des Institut für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle, Gießen. Die Inhalte orientieren sich weiterhin an den Leitlinien und Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.
Die Weiterbildung besteht aus sieben Modulen. Es werden Grundlagen der Mikrobiologie, Infektiologie und Verfahren zur Prävention gelehrt. Vermittelt werden Themen wie Arbeitsschutz und -medizin, Sicherheitsausrüstung, Veranstaltungs- und Besuchersicherheit, Gesundheitsschutz, Gefährdungsbeurteilungen, rechtliche Grundlagen, Datenschutz, Hygienekonzepterstellung, Lösungen für Auf- und Abbau, Klassifizierungen, die Fähigkeit zur realistischen Risikobewertung und besondere Regelungen zu SARS Cov-2. Mit Bezügen zur Sonderausstellung „Back to Live“ in Offenbach erfahren Teilnehmer praktisch, wie Schutzmaßnahmen im Veranstaltungskontext korrekt umzusetzen sind.

Regelung in Hessen
Der deutsche Föderalismus bringt sehr unterschiedliche Veranstaltungsvorgaben je Bundesland mit sich. Hessen gab kleinere Veranstaltungen als erstes Bundesland im Kontext der COVID-19-Pandemie wieder frei. Diese Regelung basiert auf dem hier verfassten und veröffentlichten Stufenleitplan des R.I.F.E.L.-Fachinstituts, der von vor Ort ansässigen marktführenden Branchenunternehmen, der Technischen Hochschule Mittelhessen sowie dem Gießener Institut für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle erarbeitet wurde. So werden Kleinveranstaltungen unter Beachtung von Hygieneschutzauflagen wieder ermöglicht. Das setzt Schulungen zu Hygiene, Virologie und Epidemiologie mit medizinischer Expertise voraus. Infektionssichere Veranstaltungen erfordern entsprechendes Fachpersonal. Davon sind auch sehr viele Akteure im Veranstaltungswesen überzeugt. Die spezielle Weiterbildung findet deshalb großen Anklang in der Branche. Auch Hotellerie, Gastronomie und Kulturveranstalter sind von der Wiederbelebung der Veranstaltungswirtschaft abhängig und profitieren vom IHK-Zertifikat.

Teilnehmerprofil für das Zertifikat
Branchenbeschäftigte mit einer anerkannten, abgeschlossenen, mehrjährigen Berufsausbildung oder mit fünfjähriger einschlägiger Berufserfahrung im Veranstaltungswesen können das Zertifikat Fachbeauftragte/r für Hygiene im Veranstaltungswesen erwerben. Bei Interesse erhalten Sie Informationen zum einen direkt beim FAMAB oder R.I.F.E.L.-Institut oder bei Ansprechpartnerin Rebecca Franz unter Telefon: +49151-12530123 oder per E-Mail: weiterbildung@saveevents.org.

www.famab.de

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